Update 08.03.2020




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Der Ort Bleischwitz

Karte Bleischwitz

(heute Bliszczyce) liegt direkt an der heutigen Grenze von Polen und Tschechien (grüne Linie in der Karte rechts - Quelle: OpenStreetMap)
Die benachbarte Stadt Jägerndorf (heute Krnov) verblieb 1742 als Teil der Böhmischen Krone bei Österreich (Österreichisch Schlesien). Alle Gebiete nördlich des Flusses Oppa gingen an Preussen. Also auch Bleischwitz (heute Bliszczyce) im Landkreis Leobschütz, Regierungsbezirk Oppeln in Oberschlesien.
Jägerndorf blieb trotz der Trennung für die Gemeinde Bleischwitz bis 1945 als Mittelpunkt für Arbeit und Einkauf erhalten.
Heute ist das Dorf Bliszczyce ein Ortsteil von Branice mit folgender Homepage (Sprache auch in Deutsch und Englisch wählbar - automatische deutsche Übersetzung mit entsprechenden Fehlern)

In Quellen von 1734ff (u.a. Gomolcke, Daniel: Kurtze Beschreibung von grossen Eyßfahrten und Wasser-Fluthen, sammt dem davon entstanden grossen Schaden) wird ein weiterer Ort Bleischwitz, zwischen den Flüssen Ohle und Oder, südwestlich von Breslau genannt. In Karten vom Anfang des 20. Jahrhunderts, wird der Ort dann Pleischwitz geschrieben (heute: Blizanowice).





Geschichte (1)

Der Ort Bleischwitz wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt. 1279 schenkte Königin Kunigunde , die Witwe des böhmischen Königs Ottokar II., den Ort der zur mährischen Provinz Troppau gehörenden Stadt Jägerndorf. Nach dem Tod des Troppauer Přemysliden Nikolaus II. wurde das Herzogtum Troppau 1367 auf dessen Söhne aufgeteilt, wobei Johann I. das Gebiet von Jägerndorf erhielt, das zum eigenständigen Herzogtum Jägerndorf erhoben wurde. In der Folge wechselten die Besitzer häufig, mehrfach verbunden mit kriegerischen Auseinandersetzungen.

1523 erwarb Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach aus dem Hause Hohenzollern das Herzogtum Jägerndorf von seinem bisherigen Besitzer Herzog Georg von Schellenberg. Georg führte schon bald die Reformation ein und säkularisierte unter anderem das Minoritenkloster in Jägerndorf, ohne auf Widerstand der Bevölkerung zu stoßen. Jedoch brüskierte er den ansässigen tschechischen Adel, indem er die wichtigen Ämter mit Deutschen besetzte und das Mährische Landrecht aufhob. Als Markgraf Georg durch den Erwerb weiterer Besitzungen in Schlesien seine Macht ausweitete, stieß er auf den Widerstand der habsburgischen Herrscher. So konnte er für seine Nachfolge nur für Jägerndorf ein unbeschränktes Erbrecht durchsetzen. Unter seinem Sohn Georg Friedrich, der von 1557 bis 1603 Jägerndorf besaß, kam es 1570 durch die Einführung der tschechischen Sprache im Gerichtswesen gleichberechtigt neben dem Deutschen zu einer Befriedung des tschechischen Adels. Zwischen 1558 und 1564 setzten die Pest der Gegend erheblich zu. Da Georg Friedrich keine direkten Nachkommen hatte, vermachte er das Jägerndorfer Herzogtum dem Brandenburger Kurfürsten Joachim Friedrich. Dessen Sohn Johann Georg wurden seine böhmischen Besitzungen nach der Schlacht am Weißen Berg vom Kaiser Ferdinand II. konfisziert. 1623 übertrug der Kaiser das Herzogtum Jägerndorf seinem treuen Anhänger Karl I. von Liechtenstein, dem bereits seit 1613 das Herzogtum Troppau gehörte. Er vereinte die beiden Herzogtümer zum Herzogtum Troppau-Jägerndorf und führte die Rekatholisierung der Untertanen durch.

1665 wurde erstmals eine Schule in Bleischwitz eingerichtet. 1672 wurde die heutige steinerne Kirche erbaut, die einen hölzernen Vorgängerbau ersetzte. Die 1690 geweihte große und reichlich verzierte Glocke Glocke Bleischwitz kam im zweiten Weltkrieg nach Hamburg als Metallreserve und wurde 1952 als Patenglocke nach Belmicke (Dekanat Gummersbach) abgegeben.

Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten und plünderten nacheinander die Dänen, Wallenstein und die Schweden die Gegend. 1740 berief sich der preußische König Friedrich II. auf alte hohenzollerische Rechte am Herzogtum Jägerndorf und nahm dies unter anderem zum Anlass, Schlesien zu erobern. Nach dem Vorfrieden von Breslau, der 1742 den Ersten Schlesischen Krieg beendete, blieb zwar das Herzogtum Jägerndorf bei Österreich, verlor allerdings Gebiete um Leobschütz und jenseits der Oppa, also auch Bleischwitz, an Preußen. Der Ort lag somit direkt an der Grenze. Im Bayerischen Erbfolgekrieg kam es 1778 zwischen den Preußen und den Österreichern nahe der Stadt zum Scharmützel von Weißkirch (Kostelec). 1885 lebten im Ort 1229 Einwohner.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 1041 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und niemand für die Zugehörigkeit zu Polen. Bleischwitz verblieb beim Deutschen Reich. 1933 lebten im Ort 1415 Einwohner. Bis 1945 befand sich der Ort im Landkreis Leobschütz.

1945 kam der bisher deutsche Ort unter polnische Verwaltung und wurde in Bliszczyce umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde systematisch vertrieben. 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Oppeln und seit 1999 gehört er zum Powiat Głubczycki.

Quelle: Wikipedia


Geschichte (2) (unbekannte Quelle um 1914 zum Ort Bleischwitz)

1248 hieß die Gemeinde Blizschitz. 1278 Blesic, 1479 Bliznicze. Diese Bezeichnungen sind auf den böhmischen Stamm bliz (= nahe) zurückzuführen und dürfte soviel heißen wie ‚Ort des Bliza‘.

Um 1280 bestand die Herrschaft Bleischwitz, die damals zum größten Teil Waldbestand aufwies, aus zwei Teilen, wovon der eine dem Gutsherren Benedikt Benesch von Branitz und der andere zur Feste Czwilin (Schellenburg) gehörte. Als Rest des ersten Teils betrachtete man das ‚Freihöfel‘, ein Vorwerk von etwa 360 Morgen, das 1783 an dortige Bauern überging. Der zur Feste Czwilin gehörige Teil war ein Kammergut des Herzogs (Der Angabe einer Jägerndorfer Ortsgeschichte, daß Bleischwitz schon 1262 an die Stadt Jägerndorf gekommen sei, widerspricht das damalige Gesetz, wonach Städte nicht in den Besitz von Gütern gelangen durften. Diese Bestimmung hob erst König Wenzel II. im Jahre 1298 auf.). 1622 kam das Herzogtum an die Lichtensteiner, in deren Besitz sich die jenseits der Oppa auf österreichischem Boden liegenden Gutsgrundstücke heute noch befinden. Auf diesen österreichischen Äckern leisteten die Bleischwitzer ihre Frondienste bis ums Jahr 1825. Der Fürst von Lichtenstein ist noch Patron der Kirche in Bleischwitz. Bis 1907 war er auch Patron der dortigen Schule.

Die Gemeindegrundfläche beträgt jetzt 1047 ha, Im Jahre 1723 gab es hier 1 Richter, 2 Müller, 23 Bauern, 14 Gärtner und gegen 60 Häusler; 1783: 27 Bauern, 26 Gärtner und 59 Häusler. Jetzt sind 31 Bauern, 56 Gärtner und 60 Häusler vorhanden. (gute Definition siehe http://www.namslau-schlesien.de/Standesbezeichnung_laendlich.htm)

Die Einwohnerzahl von Bleischwitz betrug 1783: 599; 1855: 1048; 1890: 1212 und 1910: 1368 (handschriftl. vermerkt 1939: 1351). Während fast alle Dörfer des Leobschützer Kreises in der letzten Zeit in der Einwohnerzahl zurückgingen, ist die Bevölkerung von Bleischwitz angewachsen, weil die dortigen Bewohner im nahen Jägerndorf reichlich Arbeit finden und deshalb nicht in die Fremde ziehen.

Chausseeverbindung hat der Ort seit 1893 mit Jägerndorf und seit 1895 über Poßnitz mit Hochkretscham. Eine Postagentur besteht seit 1887 und der Fernsprechanschluß seit 1897. Die österreichische Bahnhaltestelle Burgberg ist 3 km von Bleischwitz entfernt, der Kriegerverein wurde 1872, die freiwillige Feuerwehr 1897 und die Spar-und Darlehnskasse 1894 gegründet. Die Zusammenfassung der Grundstücke wurde 1913 beendet. Der Wald verblieb den bisherigen Besitzern. Ein Siegesdenkmal in Form einer vierkantigen Säule errichtete die Gemeinde 1879. Es steht am südöstlichen Ausgang des Dorfes, am Wege nach Branitz. Dem bescheidenen Denkmalsplatze hat man den hochtrabenden Namen ‚Kaiserpark‘ gegeben.

Von gewerblichen Anstalten ist eine Seltersfabrik seit 1898 und eine Senffabrik seit 1909 vorhanden. Die beiden Wassermühlen, die schon länger als zwei Jahrhunderte bestehen waren einst Fürstlich Lichtensteinische Mühlen.

Das Gemeindesiegel (Quelle: Georg Beier) zeigt in einer barocken Umrahmung einen Pfeil, der das ehemalige Kartenzeichen für Fundstellen von Metallen und Erzen ist. Der Name Bleischwitz hat jedoch, wie wir oben gesehen haben mit ‚Blei‘ durchaus nichts zu schaffen.

Im Bayrischen Erbfolge Kriege nahmen am 26. Juli 1778 die Generale Werner, Stutterhaim und Ingersleben zwischen Bleischwitz und Türmitz Aufstellung und besetzten am nächsten Tage die Stadt Jägerndorf.

Durch die niedrige Lage an der Oppa ist das Dorf und ein Teil der Feldmark mehr als jede andere Gemeinde Überschwemmungen ausgesetzt. Über Hochwasserschäden wird besonders aus den Jahren 1405, 1595, 1815 und 1903 berichtet. 1903 hatten die Wogen den zum Schutz gegen Überschwemmungen aufgeworfenen Damm an zwei Stellen durchbrochen, das Wehr zerstört und Gärten, Wiesen und Felder arg verwüstet. Das Wehr wurde 1913 von den beiden Mühlenbesitzern Lauffer und Ludwig neu erbaut.

Kirchliches:
Schon vor der Kirchenspaltung war Bleischwitz ein Pfarrort. 1430 wurde ein gewisser Schoberlin als Pfarrer für den Ort vorgeschlagen. Von etwa 1525 bis 1650 waren die Bewohner evangelisch, in den letzten vierzig Jahren dieses Zeitraums wie durchweg im Herzogtum Jägerndorf-Leobschütz calvinistisch. Zur Zeit der Gegenreformation und zwar im Jahre 1633 kam Bleischwitz als Tochterkirche zu Jägerndorf. Das Vorwerk ‚Roter Bau‘, die Burgbergkolonie Mariental und die Schellenburg sowie die Papierfabrik an der Oppa gehörten früher kirchlich zu Bleischwitz. Nachdem Schlesien preußisch geworden und 1780 auch eine kirchliche Trennung längs der österreichischen Grenze erfolgt war, wurde Bleischwitz von der Pfarrei Jägerndorf abgezweigt und eine selbstständige Administratur. Seit 1862 ist Bleischwitz wieder ein Pfarrort. Die Kirchbücher gehen bis 1665 zurück. Die Pfarrgrundstücke betragen 32,93 ha.

Wie in den meisten Landgemeinden war auch hier die Kirche ursprünglich aus Holz erbaut. Erst 1672 wurde sie gemauert und der hl. Katharina geweiht. Einen Turm erhielt sie im Jahre 1680; die Zunderhutform gab man ihm 1832. Das Altarbild, das die hl. Katharina darstellt wurde 1831 von dem Kunstmaler Prof. Kalter in Breslau, einem geborenen Bleischwitzer, gefertigt. Der jetzige Altar stammt aus dem Jahre 1896 und ist ein Geschenk des Geh. Sanitätsrats Dr. Benedikt Menschig, der ein geborener Bleischwitzer war. Eine durchgreifende Ausbesserung des Gotteshauses erfolgte in den Jahren 1906 bis 1908. Die Seitenaltäre sind dem Herzen Jesu und der Unbefleckten Empfängnis Mariens geweiht. Zur Anschaffung einer neuen Orgel kam es 1874. Sie wurde vom dortigen Orgelbauer Jos. Habel gebaut. Die alte Orgel hatte noch kein Fußwerk. Die Turmuhr schaffte die Gemeinde im Jahr 1879 an. Die große Glocke wurde im Jahr 1690 in Ölmütz gegossen.

Von der Schule:
Zur Gründung der Schule kam es nach der Gegenreformation. Es wird 1665 die Anstellung des Schullehrers Christoph Klehr erwähnt. Der Unterricht dürfte, wie dies anderwärts geschah, in irgend einem Bauernhause abgehalten worden sein. Das alte Schulhaus stammt aus dem Jahre 1787. Es stand im heutigen Schulgärtchen und hatte nur ein Erdgeschoß. Der Eingang befand sich an der Südwestseite. Die zwei vorhandenen Klassenräume mussten 1818 durch einen Anbau an der Nordseite erweitert werden. Das heutige Schulhaus errichtete die Gemeinde im Jahre 1850. Das untere Geschoß enthält ein Schulzimmer und die Lehrerwohnung. Im oberen Geschoß befinden sich zwei Schulzimmer und eine Wohnstube für einen unverheirateten Lehrer. 1820 wurde die Schule zweiklassig und 1891 dreiklassig. Als 1910 die Schülerzahl auf 250 stieg mußte ein Vierklassensystem mit drei Lehrern eingerichtet werden. Im Jahre 1913 wurde als vierte Lehrkraft eine Lehrerin angestellt. Den 4 Klassen stehen leider nur 3 Unterrichtsräume zur Verfügung. Einen eigenen Brunnen besitzt die Schule erst seit 1888. Vordem entnahm sie das nötige Wasser aus einer dem Kretschner gehörigen Pumpe, wofür die Gemeinde jährlich 15 Mark zu zahlen hatte. Die Schulgrundstücke betragen nur 0,38 ha. 1909 wurde hier eine ländliche Fortbildungsschule eingerichtet.

Eine Schulstiftung des Pfarrverwesers Franz Rißmann in der Höhe von 2400 Mark besteht seit 1850. Die Zinsen werden zur Anschaffung von Lernmitteln für arme Kinder verwendet.

Franz Rißmann hat bei seinem Tode im Jahre 1854 auch eine Krankenkassen-Stiftung von 9000 M. hinterlassen. Die Zinsen werden auf ärztliche Behandlung und Heilmittel für arme Kranke verwendet. Diese Stiftung erweist sich als ganz besondere Wohltat.

weitere Literatur:

  • Georg Beier: Bleischwitz - Kreis Leobschütz OS Band 1, 1982
  • Georg Beier: Bleischwitz - Kreis Leobschütz OS Band 2, 1986 (Quelle der Gemeindesiegel-Abbildung)